Wind und Gegenwind

Europe Calling über den Klimawandel von Unten

“Wir machen es zu unserer gemeinsamen Mission, den Ausbau der Erneuerbaren drastisch zu beschleunigen und alle Hürden und Hemmnisse aud dem Weg zu räumen”

(15.10.21,Sondierungspapier
Spd, Grüne, Fdp)

Sven Giegold der Finanzexperte und Sprecher der Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament, hat am 10.11 eine neue Ausgabe seines Gesprächs von politischen und wissenschaftlichen Eliten in EU und BRD, namens “Europe Calling” moderiert.

Unter dem Titel “Energiewende von unten” hatte er sowohl Verhandler in der Arbeitsgruppe Klima bei den Koalitionsverhandlungen zu einer neuen Bundesregierung, als auch Mitglied des Europäischen Parlaments eingeladen. Mit von der Partie im Netz auch Spieler verschiedener grüner Umweltverbände.


Aufgrund der selbst für Giegold’s Netzwerk außerordentlichen Anzahl von 1600 Teilnehmern, wurde die Frage-und-Antwort-Funktion für das Publikum ausgeschaltet. Dafür gab es Umfragen mit dem Tool Mentimeter in denen die Zuschauer wieder Teilhaber werden konnten.

RED II als europäicher Rechtsrahmen

Im Mentimeter war die meistgelikte Forderung die Anschaffung einer Photovoltaikanlage solle so einfach wie der Autokauf sein. Oliver Krischer aus dem Netzwerk-NRW Giegold’s und, als grünes Mitglied
des Bundestages, auch im Verhandlungsteam für die Ampel; betonte vorallem die europäische RED ll Norm gebe nötige Spielräume für die gemeinsame Nutzung von PVT auch in Straßen, Kiezen und Nachbarschaften;Stichwort: Europäische Energie Gemeinschaften. Für die Erreichung der Klimaziele von Paris, so Ariane August, von Green Planet Energy, seien in Deutschland Leistungssteigerungen im Bereich Wind vor 8-10 Gigawatt pro Jahr und im Bereich PV von 20 GW im Jahr nötig. Laut Giegold hätten die Erneuerbaren schon lange alle anderen verdrängt, gäbe es nicht soviel Gegenwind aus dem “Carbonlager” , was bei der Aufzählungsorgie von bürokratischen Hemmnissen in Deutschland für Erneuerbare als sinnvoll erschien.

Bürgerenergieschub für Erneuerbare

Da kleine Akteure im Gegensatz zu großen Unternehmen nicht in der Lage seien ihre Ausschreibungen zu streuen, müsse die Ausschreibungspflicht aus Sicht von Viola Theesfeld, vom Bündnis Bürgerenergie wegfallen, um die Wertschöpfung durch die Erneuerbaren lokaler zu gestalten. Auch eine Beteiligung der Kommunen am Gewinn mache die Technologien attraktiver bei den Gemeinden. Prosumentenseits, so Susanne Jung, vom Solarenergie Förderverein, sei die niedrige Stromvergütung das Haupthemmnis für mehr Zubau. Gerade auch weil bald 5 GW Anlagen mit einem Alter von über 20 Jahren vom Netz gingen. Eine gesetzlich erlaubte soziale Nutzung von Solarstrom könnte ferner die 6,5 Millionen deutschen Mehrfamilienhäuser in die Erneuerbarenoffensive einbeziehen.
Ein Großteil der Diskutanten wurde von Herrmann Scheer und seinem Engagement für eine solare Weltwirtschaft inspiriert. Peter Dröge von Eurosolar, der europäischen NGO die von Scheer gegründet wurde, und die eine Delegation auf der Weltklimakonferenz in Glasgow stellt, konnte leider aus technischen Gründen nicht zugeschaltet werden.

Aufbruchstimmung bei den Menschen

Seine Tochter Nina Scheer sprach als MdB für die Herrmann Scheer Stiftung. Am wichtigsten sei die Verlangsamungsinstrumente, welche in den letzten Jahren errichtet wurden abzubauen. Die Fossil-Lobby suchen immer wieder nach solchen. Nicht die Zielorientierung sei wichtig, sondern das Betreten von Wegen der Ermöglichung einer nachhaltigen bürgernahen, demokratischen Energiewende. Simone Peter vom Verband Erneuerbare Energie sprach die Sektorenkopplung beipielsweise zwischen Bioenergie, PVT und Wasserstoff an um die instabilen Energieeinspeisungsraten der Erneuerbaren zu stabilisieren; da könne man auch von der schwarz-grünen Regierung im wasserreichen Österreich lernen.
Siehe dazu auch die Folge von Europe Calling mit der österreichischen Umweltministerin Leonore Gewessler.

Deregulierung der Verfahren

Erneuerbare: Wie viel Widerstand?

Die Klimaministerin von Rheinland Pfalz fasste zusammen: Engagement und Aufbruchsstimmung der Leute in RLP müssen unterstützt und genütz werden, ein Bürgerenergiefond zur Finanzierbarkeit auch für den kleineren Geldbeutel fände sie wichtig, aber auch die Potentiale auf jetzt schon versiegelten Flächen zu nutzen, zum Beispiel auf Kitas und Parkplätze.
Dem Abbau von Hürden und Hemmnissen in der Sprache als Machtmittel droht gerade die EU-Energie Taxonomie zu erliegen.
Diese ist ein Klassifikationskatalog für grüne und nachaltige Wirtschaftsformen in der EU.
Denn Atomstrom und Gas so wurde vorgeschlagen, sollten von jetzt an als Regenerative gelten.Und somit in die Familie der Green Bonds eingeschleust. Dagegen wehrte sich Giegold mit dem Anstoßen einer recht erfolgreichen Online Petition.Trotz des Ausbaus des Atomstroms in Frankreich meinte der Kapitalismuskritiker zum Schluss. “Das ob des Sieges der Erneuerbaren ist nicht die Frage, sondern wie lange die anderen dagegen halten?”

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Der Videomitschnitt: https://sven-giegold.de/europe-calling-energiewende-von-unten/