Stolpersteine im Kontakt mit Migranten

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Auch Heroldstatt´s stellvertretender Bürgermeister Dietmar Frenzel nahm an dem Workshop des Partnerschaftsfonds der Heroldstattstiftung teil

Im Rahmen eines Workshops der Heroldstatt-Stiftung, gab der GewaltpräventionstrainerMurat Sandikci Inputs und Erfahrungen mit muslimischen Migranten weiter.Er selbst ist Türke, hat aber eine deutsche Frau geheiratet und sagt von seiner Mutter, sie könne zwar Deutsch, sei aber nicht integriert. Für seine erste Frage hatte er Prozentangaben in den verschiedenen Richtungen des Raumes in der Berghalle Heroldstatt aufgehängt. Wie wichtig ist ihnen Tradition, war seine Frage? Viele selbst Traditionen Pflegende stellten sich zu den 100 %, die beiden bei 50% begründeten dies wie folgt. Als Kindergärtnerin gebe sie viele Traditionen weiter, sagte Heide Kirschmann, sie habe aber auch schon viele Traditionen gebrochen und fände das richtig. Ralf Schiffbauer, Vorstand der Volksbank in Laichingen, und Mitglied des Fördervereins der veranstaltenden Stiftung meinte: „Traditionen sind wichtig um in den Rückspiegel zu schauen während man etwas neues erfährt.“ Darauf führte der bullige Workshopleiter eine erste Unterscheidung zwischen Migrantenkultur und unserer Kultur ein, die in allen weiteren Entfaltungen von Herausforderungen von tragender Wichtigkeit bleiben sollte. Bei Migranten in der 2. Generation in Deutschland fände man alle bei 100% für Tradition. An Traditionen wie dem Zuckerfest werde in der Fremde umso mehr festgehalten, dabei gehe es auch gar nicht vordergründig um den Islam sondern um das Zugehörigkeitserlebnis, meinte Sandikci. Bevor der variantenreiche Ideengeber für Kommunikationserleichterung zwischen verschiedenen Kulturen seinen Werkzeugkoffer öffnete, gab er eine Aufschlüsselung seiner ersten Unterscheidung.Die Werte und Erziehungsziele in islamisch geprägten Ländern seien verschieden zum westlichen Wertekatalog. An erster Stelle stehe da Gehorsamkeit, dann kämen Ehrenhaftigkeit und Zusammengehörigkeit und Leistungsorientierung.

Gewalt in der Erziehung bei muslimischen Familien

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In Deutschland erziehe man die Kinder eher zu Individualität, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung und Leistung, was den islamischen Werten nicht selten diametral widerspräche. Der Mann sei das Familienoberhaupt, er kümmere sich aber nicht um Themen wie Schule und medizinische Versorgung des Nachwuchses, dass seien Domänen der Frau. Der Mann trete bei der Erziehung erst auf den Plan, wenn der Nachwuchs aufmüpfig würde. Dabei werde eine Ohrfeige keinesfalls als Gewalt geächtet, sondern als legitimes Autoritätsmittel des Vaters angesehen, welcher immer Respekt verdiene. Auch die Frau erziehe mit Gewalt, es gebe sogar ein türkisches Sprichwort das sagt: „Wo die Mutter hinschlägt, da wachsen Rosen.“ Der Koran befürworte auch angemessene Gewalt bei der Erziehung. Weiterhin rühre es noch aus der vorislamischen landwirtschaftlich geprägten orientalischen Kultur, dass der Mann als kräftigerer Arbeiter vor den Frauen bevorzugt werde. Die Söhne lernten im Islam keinen Respekt vor Frauen zu haben, dass sei auch ein Problem bei Lehrerin für Flüchtlinge in Deutschland. Selbst die Übergriffe von nordafrikanischen Männerhorden auf Frauen in der Sylvesternacht in Köln, seien für die Männer normal gewesen. Dort sei es gang und gäbe, dass Frauen die leicht bekleidet nachts auf den Straßen seien, als Freiwild angegrapscht werden könnten. Die Grundlage zur Praxis der Verschleierung muslimischer Frauen, sei nicht der Islam, sondern das Alte Testament auf dem der Koran ja beruhe. Dort stehe, so Sandikci, dass Frauen in der Öffentlichkeit nicht so auftreten sollten, dass sie zum Götzen für die Männer werden könnten. Das auch die Männer laut dieser Quelle ihre Haut nicht zeigen dürfen, werde in den von Männern beherrschten Gesellschaften nicht so eng genommen.

Stolpersteine in muslimischen Haushalten

Wenn man beispielsweise als Lehrer ein Gespräch in einem islamischen Elternhaus habe, tue man gut daran den üblicherweise angebotenen Tee und das Gebäck anzunehmen. Auch sei es hier üblich nach der Befindlichkeit der Anwesenden und deren Verwandten zu fragen. Schon zu Beginn auf deutsche Werte zu pochen sei ein No-Go, auch die Argumentation mit Vorurteilen aus deutscher Sicht. Vielmehr müsse man zeigen, dass man die muslimischen Werte kenne und schätze, das sei Bedingung dafür mit den eigenen Anliegen Gehör zu finden. Man solle tunlichst vermeiden die Ehre der Eltern durch zu frühes Ansprechen der Mängel ihrer Kinder, ohne vorige ausführliche Belobigung zu verletzen. In konservativen Familien solle man als Mann Frauen nicht die Hand geben. Nach islamischer Auffassung bietet der Händedruck bereits den ersten Anstoß zu einem möglichen Fremdgehen der Frau. Genauso solle man aber nicht hinter einem Tisch und umringt von Ordnern und Stempeln arabische Familien zu Gast haben. Diese Utensilien schafften eher Distanz als Vertrauen. Manchmal sei aber eine Freundschaft der Familien keine gute Voraussetzung um Einfluss auf die Migranten zu gewinnen. Allgemein hätten islamisch-orientalische Väter mehr Respekt vor Behörden als vor ehrenamtlichen Helfern. Sandikci hatte sich bewusst als Thema nicht die traditionell orientierte, sondern die traditionell-religiös orientierte Familie gewählt. In den Erfahrungsberichten der Teilnehmer zeigte sich oft, dass sich die Helfer gerne mit ihren Aufgaben übernehmen. So beispielsweise bei der Hilfe zweier Frauen für eine nierenkranke Elfjährige. Sandikci empfahl in solchen Situationen einfach einmal einen Schritt zurück zu machen und abzuwarten, was nach einer Zeit ohne Kontakt von der Familie selbst komme.

Wo sehen islamische Migranten die Stolpersteine für ihre Integration?

Sandikci, hat nach einem Freitagsgebet Migranten interviewt, was sie als die größten Probleme bei der Integration sehen. Migranten sagten ihm: Schweinefleischessen und Bier trinken führten zur Integration. Die Kultur, Praktiken, Tradition, Bräuche, Werte und Normen der Herkunftsländer seien ein Problem für die Integration. Kurz: Die Deutschen denken Integration, meinen aber Assimilation. Also die völlige Aufgabe ihrer alten Identität seitens der Migranten zu Gunsten der Identität des Aufnahmelandes. Hierbei bleibt Demokratie aber trotzdem meistens eine Sache der Deutschen, denn das deutsche Wahlrecht erlangen nur die allerwenigsten Migranten in Deutschland je. Die Identitätsbedürfnisse der Migranten seien Geld, gesicherter Aufenthalt, ein sinnvoller Alltag und Handlungs- und Bewegungsfreiheit, sie hätten die deutschen Probleme mit ihnen oft gar nicht auf dem Schirm. Der ehemalige Sicherheitsmann zeigte nun zur Bereicherung der Gesprächsführungskompetenzen der Teilnehmer noch einige Kniffe aus dem NLP. Beispielsweise wie man gewisse Gehirntätigkeiten, wie zum Beispiel eine Geschichte erfinden, an den Augen ablesen kann. Die Teilnehmer durften dann anhand von einer wahren und einer erfundenen Geschichte testen ob sie das Handwerkszeug anwenden konnten. Der Teilnehmer Wolf Nkole Helzle fasste die Früchte des Workshops prägnant zusammen: „Alle sind in ihrer Geprägtheit wie in einer Haut und es ist gut etwas über die andersartige Geprägtheit zu wissen.“

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Quelle: selbstSICHERschützen Gewaltprävention, Jugendarbeit und Beratung(Murat Sandikci)

Das Gold der großen Galerie

Im schönen Filstal umgeben von bewaldeten Hügeln liegt der kleine Ort Bad Ditzenbach. Heute ist hier wieder große Kunstnacht. Vor zwei Jahren scharten sich die Leute  hier noch schlotternd um die brennenden Tonnen ob zum Kunstgenuß oder nur um sich aufzuwärmen. Heute bietet sich am Spätnachmittag ein ganz anderes Bild. Die Menschen schwärmen wie Bienen, vom Parkplatz der Vinzenz Therme aus, von viel Sonne gewärmt, mit Fliederdüften in der Nase, zu den Austellungsorten aus. An der Zahl sind es 35 Austeller und 15 Stände mit kulinarischen  Genüssen von  Maultaschen bis zu arabischen Speisen. Vom Beginn um 17 Uhr bis 23 Uhr fährt ein schöner Olitmer-Bus die Orte der Kunst und Inspiration an.

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Auf dem Dorfplatz trafen sich Feuer und Wasser in Form von Feuerskulpturen von Oliver Sander und dem Dorfbrunnen. Über diesem exitentiellen Spiel thronte die Illumination der Hiltenburg die Werner Fuchs bewerkstelligte. Immer wieder gab es Trommelshows welche ganz neue Bewegungsspielräume in die offene Kirche transportierten. Kinder spielten und man konnte nachempfinden was Heraklit mit seinem Satz: “Die Weltspanne ist das Spiel eines Kindes” sagen wollte.

 

Als die laue Luft sich langsam mit mit dem Dunkel zu vermählen beginnt  begegnen  die Lilien des Ulmer Lilienfrieses wieder.(Siehe link im Anhang). Diesmal auf einen Bogenornament welches ein Jesuskreuz an der Straßenecke überkuppelt. Ein Strom von Geborgenheit lässt Leichtigkeit des Abends noch an Bedeutungsschwere gewinnen. Das spirituelle Aufgehoben-Sein hebt die Kunst auf transzendentes Niveau.  Ein erstes Indoor-Highlight bietet dann die Ausstellung von Martin Ramsauer  im Haus Vinzenz in der gleichnamigen Klinik. Die Bilder des Malermeisters aus Deggingen beschäftigen sich mit Energie, Transzendenz und Idee und bestechen durch ihre Klarheit und einfache Inspirationskraft. Das Bild “Lichtfänger” könnte man mit der Stimmung in Bad Ditzenbach im Ausnahmezustand heute abend in Verbindung bringen.

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Wie eine nach oben ausgerichtete Mondsichel, welche die unbändige Kraft des Zentralgestirns reflektiert und für uns fassbar und er-tragbar macht, so kann man die Kunst an sich sehen.

Zu dieser aufgeladenen Atmosphäre in der die Menschen wie Lichtströme bei jeder Station mit neuen Farben, Formen und Gedankenstoffen angereichert wurden fühlte man sich frei von den Foltern und Rädern des Alltags. Es zogen Musiker durch die Straßen welche das Pittoreske der Szenerie noch beispielsweise mit den pentatonisch kosmischen Klängen der Handpan,  befruchtet durch Gitarrenmelodien durchwoben. Immer wieder passierte es das einem verinnerliche Formen erschienen, die durch einen künstlerischen Schliff, ganz verwandelt da standen. So wie die buddhistische Form von der Sonne im Halbmond bei Ramsauer und in Kunstwerken anderer Künstler. Manchmal entkrampfte sich das Gehirn durch die Anders-Ansicht von Künstlern oder anderer Betrachter. Manchmal spendete die eigene öffentlich verschwiegene und dafür  innigst ausgestrahlte Warte ein vertieftes, manchmal in sich treffenden Blicken, sich entladendes Glück. In dieser Exaltation dachte man an die Jesusworte “Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben” und dieses Ich bin….ganz Ohr, ….ganz Farbe, …..ganz Liebelei schien,wie die Mär vom neuen König  durch die zauberhaften Gassen zu hallen. Vielleicht war dieser Gutmensch aus Nazareth einfach nur einer der durch seine Konsequenz einen Weg bereitet hat, denn wir heute alle gehen können und die Muse der Kunst macht ihn uns als unbelastete Komplizin sehen.

 

Engelchen und Teufelchen

Auf der Hauptstraße so hatte ein Bekannter geraten, sei eine Austellung von Comics die Gedankenanstöße geben wollten. Im Laden ihrer Mutter stand nun Tatjana Köhler neben einem mannsgroßen Modell einer Schlüsselblume. In einer an den unschuldigen Seelenkern appelierenden Weise, sprach sie nun darüber, dass sie möchte, das die Leute die Schönheit ihrer Wiesen wieder zu sehen lernten. Dazu hat sie auch einen Comic gezeichnet der in der Art von “Als die Tiere den Wald verließen” dem Schicksal der Wiesenblumen nachspürt, die bezeichnender Weise, nach ihrer Diaspora in einen Menschengarten, zu Feen verwandelt werden. “Tatjana ist das Engelchen, ich bin das Teufelchen” meint ihr kesser Ausstellungspartner Christian Friedrich Feibusch frech. Ein wahrer Philosophenname und wie der rasende Sokrates, kommt der Gestalter und Designer im Handwerk auch daher. Er zeigt auf sein gelb-braunes Bild mit einem Pac-Man darauf; darunter steht “Stop Capitalism.”Er hat ebenfalls einen Comic gezeichnet, in “Antartica” zeichnet er im Jahre 2040 das Bild einer postapokalyptischen Zivilisation die durch Raubbau an der Erde, Klimawandel und Krieg gezwungen ist die ganze Arbeitskraft der Menschen unter die industriellen Energiegewinnung zu versklaven. Seine drohende These: “Das Erdöl welches wir der Erde gerade entziehen ist wie ein Schutzschirm nach Innen vor den heißen Energieschichten im Erdinneren, der eigentliche Klimawandel kommt daher”, ich solle einmal darüber nachdenken meint der kesse Herr mit der Baskenmütze und verlässt die “Bühne”.

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Microplastic 2 Go von Christian Friedrich Feibusch eine künstlerische Sichtbarmachung des gefährlichen Wesens der Technik

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Martin Ramsauer Transzendenz

Nach den seelischen Inspirationen und den dunklen Szenarien fragte ich mich ob Ramsauer bei der Farbe für das Jesus-Portrait “Transzendenz” von dem Kreuz mit denen schwarz-weißen Lilien inspiriert war. Jetzt war es schon kurz vor Mitternacht nur die beiden Jungs von “Remain a mystery” spielten noch immer auf dem Dorfplatz, während der Feuerhüter Oliver Sanders, seine Holzskulpturen löschte. Ganz zufrieden und schwer vom “Gold” der gemachten Erfahrungen und Kontakte ging es wieder Richtung Parkplatz. Wie hatte Verena Menzel gesagt, ich male seit Oktober 2014 jeden Abend vor dem Ins Bett gehen ein Bild. Und dieses Bild malte ich mir jetzt zu den Klängen von Gitarre und Hand Pan in meinem Geiste. Auch das ich danach noch im Kuppelzelt der Haudegen aus Geislingen zum Tanz angeregt wurde passte zu diesem überfließdenden Rahmen. Diesen sich selbst übersteigenden Rahmen  kommt das Werk “Aufwärts” von Martin Ramsauer am nächsten. Rede aufrecht und geradeaus,denn wer zum Gold will muss mit dem Gold beginnen, dachte ich nachdem ich von einer beflirteten Frau verlassen wurde.

Weiterführende Links:   http://www.martin-ramsauer.de

zum Artikel über eine gnostische Perspektive auf den Ulmer Lilienfries:

https://derweiserabe.wordpress.com/2018/04/28/der-ulmer-lilienfries-zeichen-einer-besonderen-zeit/

Seelenbeben

Seelenbeben

Des Jahres erster Schmetterling kündet vom Lenz…

Von Leichtigkeit innergleicher Frequenz

Das erste Jah des Jahres,

Ein stiller, stiller Chor,

klopft an des Himmels

Pforten wie nie, nie, nie zuvor

Des Frühlings freie Tänze tanz der Falter vor

und  der Vögel freudig Fliegen bläst Zwitschern in den Chor

Das erste Jah des Jahres,

Ein stiller, stiller Chor,

klopft an des Himmels

Pforten wie nie, nie, nie zuvor

Du bist so lang gegangen auf der Gedanken Spur

jetzt wirst du eingeweihet ganz abseits der Kultur

Das erste Jah des Jahres,

Ein stiller, stiller Chor,

klopft an des Himmels

Pforten wie nie, nie, nie zuvor

Im Märzen der Bauer im Mai der

Trou- ba- -dour ?

Das erste Jah des Jahres,

Ein stiller, stiller Chor,

klopft an des Himmels

Pforten wie nie, nie, nie zuvor

Mich zieht es nun ins Frankenreich

dank des Schmetterlings

singender Brache der Sprache

Das erste Jah des Jahres,

in stiller Eloquenz,

erzeugt hier ein Ereignis

von konstruktiver

Interferenz

Das erste Ja des Jahres,

Ein stiller, stiller Chor,

klopft an des Himmels

Pforten wie nie, nie, nie zuvor

(Farounfirewater 30.04.18)

Der Ulmer Lilienfries Testament einer universellen Bruderschaftskette?

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Die Internationale Schule des Goldenenen Rosenkreuzes in Ulm, lud nachdem sie im letzten Jahr schon ihre Interpretation des Löwenmenschen vom Lonetal präsentiert hatte nun zu einem Vortrag über den Ulmer Lilienfries. Der Ulmer Lilienfries ist ein Backsteinfries der vor 550 Jahren in der Zeit der Spätgotik gefertigt wurde. Im Zeitraum zwischen 1450-1480 ist der Lilienfries so oft in Ulm verbaut worden, dass spätere Generationen ihn den Ulmer Lilienfries nannten.Die These welche Robert Gerster in seinem Vortrag begründen wollte: “Der Ulmer Lilienfries ist ein Testament, eine in Stein gehauene Bestätigung der universellen Lehre  der Befreiung von Welt und Menschheit”. Die Lilienblüte stehe in Europa kunsthistorisch für Johannes den Täufer. Sie sei ein Symbol  für Reinheit und Unschuld; und sei im Mittelalter sowohl ein Symbol der Bourbonenkönige in Frankreich als auch der spirituellen Gemeinsschaft der Katharer in Südfrankreich gewesen. Die Katharer sind für die  Internationalen Schule des Rosenkreuzes eine Vorgängerbruderschaft.

Der Lilienfries, ein Zeichen von Helfern aus höheren Welten?

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Weit ausholend zitierte er als erstes Erklärelement für seine These einen Abschnitt des indischen Epos der Bhagavadgita, die ein zentraler Teil der Upanischaden ist. Dort steht, dass immer wenn das Böse zunimmt und die Güte erlahmt [sich der Herr] einen Körper macht um auf die Erde zurückzukehren(sh.Bild) Der Gründer und Großmeister der Geistesschule  Jan van Rijckenborg habe in einer Schrift erwähnt, dass ein Bogenornament an dem Lilien angebracht seien ein Symbol für Weisheitslehrer und Propheten sei. Jeder Bogenfries mit Lilien sei demnach ein Symbol für geistige Helfer und Menschheitsführer, kombinierte Gerster. In der ägyptischen Urgnosis, einem weiteren Werk von van Rijckenborg, in Band 4 im 33. Kapitel stünden Angaben über die verschiedenen Phasen der Arbeit von Hierophanten mit der Menschheit. Das Wort Hierophanten ist eine Zusammensetzung der altgriechischen Worte für heilig hieros und phainon für enthüllen.Einen solchen Lilienfries sehe man auch am Erker des Ulmer Patrizierhauses, sowie am Blaubeurer Kloster, erbaut Mitte des 15.Jahrhunderts. Der Graf Eberhardt im Barte(1445-1496) Gründer der Universität Tübingen, hatte laut Gerster Kontakt zur Schule von Marcilio Ficino in Venedig in der zu dieser Zeit die Renaissance blühte. Er lies in Tübingen eine astronomische Uhr in der Stadtmitte installieren, als offenes Zeichen, dass die die Erde nicht wie die Kirche wollte eine Scheibe sei.

Ist der  Löwenmensch vom Lonetal ein  Avatar vergangener Zeiten?

Auch auf den Löwenmenschen kam Gerster nochmals zu sprechen. Im Ulmer Museum habe einmal ein Inder in traditioneller Kleidung den dort ausgestellten Löwenmenschen aufgesucht und sei 20 Minuten vor diesem in meditativer Stellung verharrt. Die Statue des Löwenmensch die vor 35000 Jahren in einer Höhle im Lonetal angefertigt wurde, sei  als eine Ausformung des vierten. Avatars des indischen Gottes  Vishnu bekannt unter dem Namen Narasimha.

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Robert Gerster der sich schon seit längerem aus einer gnostischen Perspektive mit dem Löwenmenschen vom Lonetal beschäftigt bei seinem Vortrag

Er sei zu dieser Zeit einer jener Menschheitshelfer gewesen, welche die universelle Lehre in Zeiten der materialistischen Verfinsterung neu erklärt hätten. Der letzte dieser Kette so interpretieren Theosophen sei Buddha Shakyamuni gewesen. Der nächste sei für Christen, der wiederkehrende Christus, für Muslime der Mahdi und für Buddhisten der Buddha der Zukunft namens Maitreya. Die Zeiten der Einweihung von Priestern und Hierophanten wie  beispielsweise im Ägyptischen Totenbuch beschrieben sei heute vorbei, meinte Gerster. In der dritten Phase verlaufe  die Einweihung mit und durch die Menschheit, der Mensch welcher die Wahrheit gehört habe, müsse heute beweisen, dass er sie selbst finden könne. Es sei wie mit Jesus Christus: “Ein Mensch der durch Erleuchtung zum Sohn Gottes geworden ist, zeigt der Menschheit den Vater und das er vollkommen ist wie sein Vater, erfüllt von der Mutter(dem Heiligen Geist).Die Baukunst sei eine Geheimsprache der Freimauer gewesen, die im 15.Jahrhundert auch zur universellen Kette gehörten. Der nach unten gerichtete Lilienfries symbolisiere das Streben der Hierophanten sich um der Liebe zur Menschheit willen in einen schmerzhaften und sterblichen Körper zu inkarnieren; solange bis die Menschheit

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Der Lilienfries wurde aufgenommen im ehemaligen Benediktinerinnenkloster in Urspring bei Schelklingen am heutigen Gebäude der Internatsverwaltung

 

von ihren Verblendungen geheilt ist. In Blaubeuren und dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster in Urspring seien immer zwölf Steine des Lilienfrießes aneinander gereiht und der Dreizehnte sei farbig hervorgehoben. Die 12- Zahl stehe für die Jünger und die 13 für den Herren Jesus, der sein Ich ganz vergessen hat und ohne den man laut Bibel nichts tun kann.Der Lilienfrieß um den weißen Turm in Biberach an der Riss habe 127 Steine und sei ebenfalls aus der Periode zwischen 1450 und 1480. Die Anzahl der Steine müsse man kabbalistisch verstehen, erklärte Gerster. Die eins stehe für den Vater, die zwei für den Sohn und die sieben für den Heiligen Geist.Bei der anschließenden Diskussion fragte einer warum der Bau des Lilienfrieses so abrupt abgebrochen sei. Gerster erklärte das mit den Kämpfen in der damaligen Zeit, in der  oberschwäbischen Stadt Ravensburg sei 1484 beispielsweise das brutale Buch “der Hexenhammer” erschienen. In verschiedenen Perioden müssen die Gottessöhne, jeweils nützlich und angemessene Methoden anwenden.Glaub man der Annahmen Gersters  über das Klima gegen Ende des Zeitraum in dem der Fries munter verbaut wurde,wäre es interessant den Andeutungen Gersters was das Ende des Lilienfrieses im Ulmer Raum betrifft nachzugehen.

 

 

 

Islamische Republik im Aufbruch? Das politische System des Iran

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Viele gute Fragen gab es aus den Reihen des Publikums nach dem Vortrag zum Buch Morgen in Iran im Großen kleinen Haus in Blaubeuren und  auch gute Antworten vom Irankenner Tabatabai

Iran der Schurkenstaat in dem Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, diesen Eindruck bekommt man dieser Tage oft von dem Vielvölkerstaat.Der iranischstämmige Politikwissenschaftler und Politikberater Adnan Tabatabai, der in Deutschland aufgewachsen ist, sorgte mit seinem anspruchsvollen Vortrag über den Aufbau der islamischen Republik für ein wissenschaftliches Bild der Dinge.Mit seinem Buch „Morgen in Iran Die islamische Republik im Aufbruch“ wollte er die seltsame Debatte zwischen „schwärmen“ und „schimpfen“ mit einem Sachbuch, das auf seinen persönlichen Beziehungen im Iran basiert bereichern.Das der Saal an einem schönen Frühlingstag voll war, war sicher der Aktualität des Themas geschuldet, denn am 12.Mai will Präsident Trump das Atomabkommen mit dem Iran von 2015 neu aushandeln und neue Sanktionen verhängen.Um nicht mehr nur den Schurkenstaat und die Weltbedrohung im Iran zu sehen, müsse man seine besondere geschichtliche, demographische und territoriale Lage sehen, so lud Tabatabai ein. Von den 80 Millionen Einwohnern des Iran seien 90% Schiiten. Umgeben von Ländern mit sunnitischer Mehrheit. Seit der erfolgreichen islamischen Revolution gegen den westlich orientierten Schah 1979 musste der Iran einen achtjährigen Angriffskrieg westlicher und arabischer Mächte erleiden. Diesen Angriffskrieg unterstützte, so Tabatabai, nur Hafis al Assad, der Vater des jetzigen syrischen Präsidenten, nicht. Daraus sei ein paranoides Denken bei Revolutionsführer Chamenei und im Hohen Nationalen Sicherheitsrat entstanden.Durch die jüngsten Waffenlieferungen der USA für Kathar und Saudi-Arabien erhitzte sich dieses Denken noch, erklärte Tabatabai. Die außenpolitische Strategie des Iran sei es auf staatlicher und gesellschaftlicher Ebene Bündnisse gegen die übermächtigen Feinde zu bilden. Dazu gehörten auch die Hisboallah im Libanon und die Huthi-Rebellen im Jemen als exterritoriale gesellschaftliche Verbündete.

Der Iran im Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und Theokratie?

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Trotz immenser Repressalien bei den republikanischen Protesten 2009 im Iran wurde 2013 ein moderater Präsident und 2016 demokratische Kräfte in Parlament und Expertenrat gewählt

Einerseits sei der Iran ein religiös autoritäres Land geführt von einem auf Lebenszeit gewählten Revolutionsführer. Andererseits sind die Wahlbeteiligungen trotz hohen Aufwandes um die Wahl rechtmäßig zu bewerstelligen gestiegen.Die Spaltung des Regierungssystems zwischen vom Volk gewählten Institutionen wie Parlament, Präsident und Expertenrat und den anderen Instanzen zeigte der Politikwissenschaftler anhand eines Schaubildes auf. Wenn man sehr wohlwollend sei könnte man sagen auch der Revolutionsführer würde vom Expertenrat, einer vom Volk gewählten Institution gewählt. Andererseits ernenne der Revolutionsführer, aktuell Ayatollah Ali Chamenei die Polizei, die Justiz, die Militärführer und sogar IRIB die staatliche und einflussreichste Medienagentur im Land. Tabatabai las dazu ein Interview mit einer Journalistin vor, die schilderte mit wie viel Fingerspitzengefühl der Chefredakteur entscheiden müsse ob er etwas veröffentliche, aus berechtigter Angst vor Konsequenzen durch den Staatsapparat.

Die Personen sind im iranischen System besonders wichtig 

Die Angst  prägt auch den Aufbau des Militärs, so gibt es neben der ARTESH, der regulären Armee auch die revolutionstreuen IRGC, die Revolutionsgarden. Auch gebe es mehrere Geheimdienste, der am besten organisierte und begüterte sei auch hier der Geheimdienst der Revolutionsgarden. Die Gesinnung welche bei manchen jungen Schiiten, die allerdings eine Minderheit seien herrsche schilderte Tabatabai anhand von Rohan. Der 21 Jährige fühlt sich in dem Cafe mit Schokokuchen um Latte Machiato in Teheran unwohl in dem Tabatabai mit ihm sprach. „Moslem zu sein bedeutet für mich der Republik zu dienen, deshalb will ich unbedingt in den Krieg nach Syrien“, seine Eltern sehen das anders. Die meisten Menschen im Iran sehnten sich aber nach einer Normalisierung der Verhältnisse, beginnend bei einer dauerhaften Beendigung der Sanktionen. Der Wächterrat, der Feststellungsrat und der Hohe Nationale Sicherheitsrat sind drei Räte die nur indirekt demokratisch legitimiert sind. Der Wächterrat besteht aus sechs vom Revolutionsführer ernannten Geistlichen und sechs vom Parlament ernannten Juristen.Er kann laut dem Politikwissenschaftler bestimmen wer im Expertenrat sitzt, der wiederum den Revolutionsführer wählt und hat die Fähigkeit die Macht des Parlamentes auszuhebeln. Der Hohe Nationale Sicherheitsrat in dem Präsident Hassan Rohani sitzt, könne bei Gefahr beispielsweise das Internet verlangsamen. Die Person und ihre Vernetztheit mit anderen Machthabern sei im politischen System des Iran besonders wichtig. So sei der jetzige Außenminister Mohammed Sarif ein langjähriger enger Vertrauter von Revolutionsführer Ali Chamenei. Auch der jetzige Präsident Hassan Rohani sei als ehemaliger geschäftsführender Sekretär des HNSR machtpolitisch gut vernetzt und vielerorts angesehen.  Der Ayatollah sei zwar die Entscheidungsinstanz, bei der Aushandlung des Atomabkommens habe man aber sehen können, dass der Präsident und sein Außenminister innerhalb der richtungsgebenden Vorgabe des Revolutionsführers durchaus inhaltliche Politik gestalteten.Das Atomabkommen von 2015, so meinte Tabatabai zum Abschluss nachdrücklich, sei eine Errungenschaft, die jetzt vor allem durch die USA unterlaufen werde. Die Wahlen zum Parlament und zum Expertenrat die er 2016 in Teheran begleitet hat, hätten ihn innenpolitisch hoffnungsfroh gestimmt.  40 Millionen Menschen hätten ihre Stimme abgegeben. Und trotzdem der Wächterrat tausende reformistischer Kandidaten abgelehnt hätte, so seien doch deutlich mehr republikanische Kräfte durchgekommen als bei der letzten Wahl.

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Das beim Körber-Verlag erschienene Buch hat 304 Seiten und sieht sich als Sachbuch über den Iran. Dafür hat es aber sehr viele Begegnungen mit menschen unterschiedlichster Prägung aus dem Iran zu bieten und ist für 17 Euro zu haben.

 

Religionsformen: Das Freitagsgebet in der türkischen Moschee

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Junus Can, der Imam des türkischen Moscheeverbandes DITIB in Gerhausen auf seiner Kanzel im Gebetsraum. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und eine Tochter

Nachdem ich mit einem deutschen Missionar gesprochen habe, der mir Nahe gebracht hatte, dass der Weg Jesu einerseits intolerant und andererseits von Feindesliebe geprägt sei, mache ich an der Moschee in Gerhausen halt. Ohne Anmeldung gehe ich hinein, da ist ein Raum mit Tischen, einem Kebab-Backofen und einem Getränke- sowie einem Kaffeeautomaten. An der Wand hängt eine große Karte der Türkei auf der die einzelnen Provinzen des europäisch-asiatischen Landes eingezeichnet sind. Ich fragte einen Mann ob er mir weiter helfen könne, er sagt er könne nur Englisch. Dann kommt ein Mann mit langem Bart hinzu, dem ich mein Anliegen schildere, eine Gottesdienstform im Islam kennenlernen zu wollen. Er führt mich zum Imam, der wiederum kein Deutsch spricht. Die Imame werden in der Türkei ausgebildet, so der Mann, von dem sich später herausstellt, dass er auch Türke ist und früher in Neu-Ulm gelebt hat. Für die Ausbildung und Bezahlung der Imame ist die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion(DITIB) verantwortlich, auf ihre Moscheen wurden in letzter Zeit einige Anschläge verübt.Jetzt kommt der Imam, fordert mich an der Treppe zur eigentlichen Moschee auf, es ihm gleich zu tun und die Schuhe auszuziehen und geht mit mir und den anderen in den Gebetsraum der Männer.

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Der Gebetsraum der Männer: rechts die Kanzel und daneben die Mihrab. In dieser Nische wendet sich der Imam Gott zu. Der Stamm des dritten arabischen  Buchstaben von Mihrab ist charb=kämpfen. Wissenschaftler deuten die Wortbedeutung als Kampfplatz der Seele gegen die niederen Triebe im Rahmen der Anstrengung auf dem Weg Gottes(dschihad)

“Zwischen den Religionen gibt es keine Probleme, nur in der Politik”

Dann übersetzt der Mann mit dem langen Bart die Begrüßung des Imam, er heiße Junus Can und stamme aus einer Stadt in einer Provinz nahe Diyarbakir in der Türkei. Für Frauen gibt es einen eigenen Gebetsraum, wenn sie aber mit den Männern beten, so müssen sie einen Schritt hinter den Männern beten. Die Männer wiederum sitzen aus Ehrerbietung einen Schritt hinter dem Imam. Als ich den Imam auf die angeblichen Spione der Türkei aus den Reihen der Imame des DITIB anspreche, winkt er nach der Übersetzung ab. Es gebe zwischen den Religionen keine Probleme nur in der Politik, meint der freundliche Mann. Jesus sei ein wichtiger Prophet im Islam genauso Mose und Abraham,.Auf die türkische Fahne im Gebetsraum der Frauen angesprochen meint der Mann mit dem langen Bart: Das sei normal, habe mit Politik nichts zu tun. In bosnischen Moscheen, hänge eben die bosnische Fahne. Dass springt er doch auf die Fahne an. „Das Rot in der Fahne steht für das Blut welches die Türken für ihr Land vergossen hätten und der Halbmond ist das Symbol des Koran“, meint er stolz.

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Der Iman wirft sich im Mihrab

Eine der fünf Säulen des Islam, also der zu erfüllenden Gebote um sich Moslem nennen zu dürfen, ist das fünfmalige Gebet gen Mekka. Dazu zeigt er mir die digitale Monduhr, auf der die fünf Zeiträume zum Gebet Morgens(türkisch: Imsak) in der Zeitspanne zwischen dem ersten Morgenlicht und dem Sonnenaufgang bis Abends zwischen Dunkelheit und Mitternacht angezeigt werden. In Mekka sei die Kaaba, das Zentralheiligtum des Islam, und die habe Abraham der Urvater der drei monotheistischen Religionen gebaut und Mohammad sei ein Nachfahre Abrahams. Im islamischen Gebet stelle man sich Gott rechts und Mohammad links vor.

Das Freitagsgebet

Anders wie der Sabbath, an dem der Moslem ruht, ist der Freitag für Muslime ein Tag der besonderen Hingabe an Gott. Eigentlich gelten alle Gedanken, Gefühle und Handlungen, die Gott gewidmet sind im Islam als Gottesdienst. Doch werden die meisten Gebete unter der Woche ohne Anwesenheit des Imams von den Gläubigen selbst durchgeführt.Das Freitagsgebet hingegen, ist eine Form in der der Imam eine religiöse Ansprache hält und an der man gut die einzelnen rituellen Orte und Praktiken aufzeigen kann.Freitags wird das Mittagsgebet(türkisch: Ögle) um etwas 13.30 Uhr durch das Freitagsgebet in der Moschee ersetzt. Hier in Gerhausen gibt es kein Minarett, dies ist aber der normale Ort an dem das Freitagsgebet durch den Muezzin(den Helfer des Imam) eröffnet wird. Er ruft, so dass es alle Gläubigen hören, viermal hintereinander „Allahhü ekber“ aus. Dann steht der Imam zu Beginn in der Mihrab, einer Nische im Raum, durch die die absolute Hinwendung zu Allah und die Gottesdienstrichtung nach Osten gen Mekka und der dortigen Kaaba angezeigt werden, und verrichtet seine Gebete. Der Koran gilt im Islam als fundamental mit der arabischen Sprache verbunden, er könne nicht übersetzt werden. Der Mann mit dem bayrischen Akzent gibt zu er könne arabisch nur lesen und rezitieren, lesen und verstehen könne er aber nicht. Die Huldigung Gottes durch Imam und Gemeinde findet dabei ihren äußeren Ausdruck in Stehen, Beugen und Niederwerfen des Körpers und Gebetsgesängen.

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Der Imam auf der Minbar

Dann hält der Imam auf dem Waas Kürsi, einer Art Kanzel seine erste Predigt zu den Glaubensartikeln. Neben dem Mihrab, steht der Minbar(ausgesprochen Mimbar) dort wird die zweite Predigt(Chutba) gehalten. Bei den Gebeten danach gibt es die Aufteilung in Sunnatgebete und Pflichtgebete. Die Sunnatgebete beziehen sich auf das Vorbild des Lebens des Propheten(Sunna).Der Imam betont, dass es im islamischen Gottesdienst keine Heiligen-, Statuen- und Bilderverehrung gebe, so werde auch nicht zu Mohammad gebetet, sondern nur zu Gott.Es werden nach der Predigt vier Sunnat- und vier Pflichtgebete von der ganzen Gemeinde verrichtet. Nun ruft der Muezzin auch ohne Minarett von seinem Platz erneut zum Gebet, er ist außerdem für die kunstvolle gesangliche Rezitation des Koran zuständig. Farz heißt auf türkisch Pflicht und beinhaltet Gebete in denen Gott um die Kraft gebeten wird um die Gebote, wie Das Tötungsverbot von Menschen oder das Verbot Alkohol zu trinken, einhalten zu können. Der bärtige Mann nennt den Imam Junus Hodscha, er weiß aber nicht wo das her kommt. Der Imam klärt uns auf Hodscha sei das persische Wort für Imam. Nach den Erklärungen gibt es Datteln und Kaffee, die Leute sind sehr freundlich und zuvorkommend, vielleicht weil sie jede Handlung auch nach dem Gottesdienst auch als Teil des Gottesdienstes sehen.

Interview: Warum müssen Christen in Deutschland andere missionieren?

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Egal ob man daran glaubt das es eine objektive Wahrheit gibt die Christus ist oder nicht, ist folgendes Zitat aus der Bibel interessant wenn man meint das Christentum sei eine nachgiebigere Religion als beispielsweise der Islam: “Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird´s verlieren; und wer sein Leben verliert, um meinetwillen, der wird´s finden(Matth.10,38+39)

Gernot Elsner mein Interviewpartner ist einst mit 19 zu Gott gekommen unter der Bedingung, dass er all das was die Apostel erlebt haben auch erleben könne. Denn seine größte Furcht war damals ein langweiliges Leben zu bekommen. Er war dann 3 Jahre lang auf den Philippinen auf der Bibelschule und ging danach zum Theologiestudium in die USA. Heute ist der Karlsruher verheiratet und hat Kinder.2006 gründete er das Missionswerk Gospeltribe. Er gibt wie am Wochenende im Haus der Hoffnung Workshops zum Thema lebensverändernd Predigen und ist Pastor in seiner eigenen Gemeinde.

Der weise Rabe:

Gernot wir leben in einem christlich geprägten Land, dein Missionswerk hat dieses Jahr schon Evangelisationsprojekte in Deutschland gemacht, Warum?

Gernot Elsner:

Die Frage ob wir ein christliches Land sind, erschließt sich aus der Perspektive woher man kommt.Hier auf der Schwäbischen Alb stimmt das wohl aufgrund des Erbes des Pietismus. Vor einigen Jahren stand aber in der Zeitung die Welt, das Ostdeutschland das Land auf der Erde sei, indem die höchste Konzentration nicht gläubiger Menschen wohne. Deshalb haben wir in Arnstadt in Thüringen Ende März 2018 eine Evangelisation durchgeführt. Außerdem machen wir ja keine Christianisierung sondern eine Evangelisation. Evangelion ist ein griechisches Wort, dass nichts anderes als Frohe Botschaft bedeutet. Es existierte im Griechischen auch getrennt vom Christentum. Römer 1,16 beschreibt unser Bestreben: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“

Der weise Rabe:

Der Kabarettist Jess Jochimsen sagt in seinem neuen Programm, „solange in Deutschland Klassenarbeiten in Religion geschrieben werden müssen, braucht man über die Scharia nicht zu hetzen“, was antwortest du ihm darauf?

Gernot Elsner:

Ich glaube so eine Aussage rührt aus einem postmodernen postaufklärerischen Denken, welches annimmt es gäbe keine objektive Wahrheit. Ob nun ein Kabarettist oder die Ringparabel des Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing[dort wird behauptet, dass die drei abrahamitischen Religionen wie Ringe seien, bei denen man nicht herausfinden kann, welches der Wahre ist, deswegen müsse man alle respektieren], ich beuge mich solch einem Geist nicht. Für mich ist laut Johannes 1,14 das fleischgewordene Wort die höchste und objektive Wahrheit.

Der weise Rabe:

Einer deiner Werte ist radikale Jüngerschaft, was bedeutet das für dich?

Gernot Elsner:

Naja, der Wortstamm von radikal kommt von Wurzel. Oder verwurzelt sein, ich bin verwurzelt in Jesus Christus. Und da ist das Christentum wirklich intolerant. In Johannes 14,6 spricht Jesus zu dem ungläubigen Thomas: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Das ist die eine Seite, die andere ist, dass Jesus aus Liebe zu Menschen die nicht zu ihm gehörten bereit war zu sterben. Ich bin mit dem Gospeltribe in über vierzig Ländern gewesen und ich weiß wie intolerant gerade solche Länder die auf dem Atheismus basieren,wie heute vielleicht noch Kuba oder Nordkorea sind. Jesus praktizierte die Feindesliebe, er lud alle Menschen ein durch seine Wahrheit heil zu werden.

 

Kabarett: Jess Jochimsen Warum denken wenn man auch schunkeln kann?

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Songs mit Ziehharmonika, Gitarre und immer wieder “die Ode an die Freude” mit dem kleinen Metallophon lockerten das Programm des Freiburger Kneipenliebhabers auf

Mit seiner freiburger Freundlichkeit fragte Jess Jochimsen sein Publikum im Rössle in Laichingen  beim Essen ob er sie schon stören dürfe. Dann machte er ein Kompliment an die Schwaben. In Blaubeuren habe er einmal in einem Hotel mit Sauna gewohnt, als er diese nutzen wollte, hieß es die Sauna sei wegen einer Goldenen Hochzeit besetzt, seither wisse er das die Schwaben feiern könnten. Dem zum Trotz frage er sich trotzdem warum in den Nachrichten immer von syrischen Islamisten oder Deutsch-Türken die Rede sei nie aber von unterfränkischen Protestanten mit österreichischem Migrationshintergrund. Seine Liebe zu goldenen Worten zog sich durch das ganze Programm. Hatte er aber 2015 an gleicher Stelle noch gesungen”manche Dinge hät ich gerne nicht gewusst”, sagte er heute “Ich bring dann mal den Müll hoch.” Dabei heißt sein Programm doch “Heute wegen Gestern geschlossen.” Und ein anderer goldener Satz in Richtung “Dicht machen!” war: “Es ist Glück mit Menschen mit denen man nichts zu tun haben will auch tatsächlich nichts zu tun zu haben”.Wenn man Jochimsen festnageln möchte, dann verfehlt man das Thema und damit den Spaß. Er ist jemand der gerne mit den Worten spielt und sich nur auf recht allgemeinen Plätzen fest macht.So beendet er die komische und teilweise entlarvende Gratwanderung zwischen Müll hochbringen und postpolitischem Hedonismus bei dem es nur noch um die Sexualfantasien der Selbstmordattentäter geht mit einer Perspektive. Wenn heute wegen Gestern geschlossen war, dann muss morgen wegen heute geöffnet sein.

 

Zuviel Kultur, zuviel Fußball zuviel Sonntagskrimi

Der anachistisch angehauchte Kabarettist fragte provozierende ins Publikum “Ohne Regierung ist es doch ganz gut gelaufen?” Trotzdem gäbe es ihm zu viel Kultur, zu viel Fussball und zu viel Fernsehen.Kultur sei schon etwas ausgefeiltes für alle Übergriffe habe sie Institutionen geschaffen: Fußballstadien, Krimis und Schützenfeste nur gegen die Taten in Köln an Silvester sei kein Kraut gewachsen. Der linkskonservative Philosoph Peter Sloterdijk habe daraufhin im Cicero, einem der neuen konservativen Hochglanzpolitblätter geschrieben: “Wir schaffen das nicht.”Und weiter das die Flüchtlinge uns fluten würden. Dann rechnete Jochimsen vor, wir haben 1 Million Flüchtlinge bekommen, hier im Rössle sind etwa 80 Leute, dann wäre eine Person etwa die Flüchtlingswelle, wie solle die nun den Saal fluten?Fussballspiele seien schon wegen Anschlägen abgesagt worden, Schlagersendungen allerdings nicht. Und dann kam die wohl etwas falsch adressierte Frage: Was wenn die Recht haben und “Herzilein, du musst nicht traurig sein”, die wahre Antwort auf alle drängenden Fragen sei. “Warum denken wenn man auch schunklen kann”?DSC00660

Katharsis: Runter zum niedrigen Denken

Jetzt gebe es ja das Wort Bio-Deutsche, er warte jetzt nur noch auf die Einsetzung eines Heimatministers für Inneres und Sport. Das man in der Schule gelehrt bekomme, dass man nur die 3.Strophe der Nationalhymne singe sei eine Einladung für höchstes Interesse für die anderen Strophen, er habe damals seinen Opa gefragt, die Jugendlichen fragten Google. Seine Witz Biathlon sei ein deutscher Sport, erst schießen und dann wegrennen, traf möglicherweise ins Herz der markigen Mitläufers. Bush sei schon mies gewesen, aber heute sei “das niedrige Denken ganz bei sich angekommen.” Es nur von oben herab anzuschauen reiche nicht, er forderte das Publikum auf da runter zu gehen. Bei seiner ersten Frage begann schon das Problem. Als er fragte wer sich kritischer und intellektueller fühle wie die anderen, meldete sich keiner. Ich war gerade beim Mitschreiben. Dann ging er eben alleine runter, denn auch beim Nachspielen des Wahlverhaltens bei der Bundestagswahl machte keiner mit. Mit einem schweizer Militäthistoriker als Gewährsmann dekonstruierte er nun die Rede von den feigen Selbstmordattentätern. Attentäter seien vieles, aber alles andere als feige, Drohnenangriffe seien feige. Der Schweizer argumentierte weit über den Raum des öffentlich ungeschoren Sagbaren hinaus, wir bräuchten selber Selbsmordattentäter. Die Gratwanderung gerade noch vor dem Absturz rettend lenkte Jochimsen das Thema ins unpolitisch Sarkastische um. Man hätte zumindest genügend depressive Menschen, die Selbstmordraten in Deutschland seien wesentlich höher als in Syrien.

 

 

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 Ein gutes Auge und Sinn für das Skurile im Alltag bewiesen die selbstgemachten Bilder Jess Jochimsens Bild: Sammlung Jess Jochimson

Wider die Herrschaft der alten Männer:

 

Um dem niedrigen Denken näher zu kommen müsse man den überheblichen Altmännerhumor hinter sich lassen. Diese Aufforderung beantwortete er mit einem melancholischen Lied auf der Gitarre. Hier ging es um zwei Brüder, die zusammen eine Frau hatten. Eine Absage an die Männerherrschaft.Auf die 13 % der AFD bei der Bundestagswahl zur Sprache kommend, erinnerte er sich an seinen Geschichtslehrer der ihm etwas über die Weimarer Republik gesagt hatte, was er erst jetzt verstanden habe. “Die Weimarer-Republik ist nicht gescheitert, weil sie zu viele Feinde hatte, sondern weil sie zu wenige Freunde hatte.”Sätze wie: “Ich bin kein Rassist aber…” brächten ihn zur Weißglut, es sei als wenn man im Wald einen Mann treffe, der einen Stelle und sage: “Ich bin kein Triebtäter aber…”Die deutschen seien ein Volk von Romantikern, dass sehe er an den Liebesschlössern, welche seit einiger Zeit, die Namen der Partner eingraviert, an Brücken hängen. Ein Statiker würde sagen: “Die Belastungsgrenze ist erreicht.” Er sei aber überzeugt, der Islam gehöre erst zu Deutschland wenn auch Muslime solche Schlösser an den Brücken anbringen, wenn auch für jede Frau eines, lachte er.Ein ehrbarer Professor aus Freiburg habe jetzt auch ein Problem mit dem niedrigen Denken, seine 18 jährige Tochter sei jetzt mit Hassan Abdi einem somalischen Muslim zusammen. Als er sie gefragt hat was gegen Michael spricht, sagte sie es ihm unverblümt: “Papa, der vögelt einfach besser.” Erneut erinnerte Jochimsen “die alten Männer sind unser Problem. Es gibt auch Frauen die alte Männer sind, die wollens wie es früher war. Angst vor Veränderung macht uns zu alten Männern. Alte Männer sagen: “Zukunft, dass ist so wie heute nur mit Rente.” In seinem Russland-Lied in dem leider er ähnlich aktuell wie schon 2015 das massenmedial vermittelte Zerrbild Russlands zwischen nackt jagendem Putin und farbigem Gorbatschow darstellte exerzierte er vor, was er zum Ende hin vorschlug. Die 87% die nicht die AFD wählen, sollten nicht aufhören Fragen zu stellen und dem alten Mann empfohl er sich auszuruhen, ein Fest zu feiern und mal wieder was zu träumen. Das konnten die fast ausschließlich Deutschen Gäste in dem Volkslied “Guten Abend und gute Nacht” lediglich gestört durch eine äufklärerische Frage an Gott. Warum denken wenn man auch schunkeln kann? Weil man so den Ruhetag verstehen kann, denn: Heute war wegen Gestern geschlossen.Wenn heute wegen Gestern geschlossen war, dann kann morgen wegen heute wieder geöffnet sein.

Lesung: Kindersorgen

 

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Neben seinem Erstlingswert Burnout-Kids hat Michael Schulte-Markwort auch noch das Buch Superkids Warum der Erziehungsehrgeiz unsere Familien unglücklich macht geschrieben

Eine vorbildliche Kooperation der beiden großen christlichen Kirchen  sowie der Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen machte den hochkarätigen Vortrag eines bekannten hamburger Kinderpsychologen im Johannes Montinihaus in Blaubeuren möglich. Frau Rösch Both von der Volkshochschule gab in ihrer Einführung  in die Vita von Martin Schulte Markwort einen Eindruck von dem vielfältigen Engagement des heute, als Autor des Buches “Kindersorgen Was unsere Kinder belastet und wie wir ihnen helfen können” , daraus lesenden Mannes.

 

Der schlacksige Mitsechziger ist neben seiner Tätigkeit als Kinderpsychologe auch Ausbilder für Psychologen und Manager, die Angabe von Rösch Both er hielte 400 Vorträge im Jahr dementierte er allerdings. Vielmehr spreche er täglich mit Kindern und habe in den letzten 25 Jahren schon 30000 Kinder gesehen, das mache ihn gelassen. Gelassenheit in der Erziehung  war die erste Botschaft des einem größeren Publikum über sein erstes Buch “Burn-Out-Kids Wie das Prinzip Leistung  unsere Kinder überfordert” bekannt gewordenen Autors. Er hätte damals schon gezögert ein Buch mit einem derart populistischen Titel zu veröffentlichen, hätte sich dann aber vom Knaur-Verlag überreden lassen. Aus schlechtem Gewissen habe er später das Buch “Superkids” geschrieben, dieses sei sein Ladenhüter, da die Leute etwas negatives lieber lesen wollen als ein positives Buch. Allgemein fasste er seine Erfahrungen als Kindertherapeut trotzdem folgendermaßen zusammen: “Ich finde die Kinder sind immer besser geworden, die Gespräche von heute konnte ich vor 25 Jahren nicht führen”. Seine Erfahrung mit den  Eltern in den letzten Jahren sei: “Viele Kinder wollen selber nicht mehr über ihre Kindheit berichten”. Seine Aufgabe, so seine letzte Vorbemerkungm bevor er in die einstündige Lesung aus “Kindersorgen”  einstieg sei, zwischen Kindern und Eltern zu dolmetschen, so dass beide sich besser zu verstehen lernten.

Whatsapp-Therapie statt defizitorientierte Kulturkritik 

Smartphones seien das Reizthema Nummer eins bei Familien mit Kindern über 10 Jahren. Lea sei von ihren Eltern zu ihm geschickt worden. Sie erzählte, dass alle ihre Freundinnen auf  Facebook und Snapchat seien und es heutzutage eh das Schlimmste sei abgeschlossen zu sein und nichts mitzukriegen. Ihre Mutter macht sich sorgen, weil es bei Lea keine Sekunde ohne Handy gebe und dass Lea mediensüchtig sei. Lea so berichtet Schulte-Markwort, lächelte triumphierend, als er ihr bescheinigte körperlich und psychisch vollkommen gesund zu sein. Er stelle sich ganz vehement gegen die smartphonefeindlichen Meinungen seiner Kollegen Thomasius und Spitzer. Wenn vor drei Wochen durch die Zeitungen ging das 300000 Kinder in Deutschland medienabhängig sind, so verschwiegen diese Meldungen, dass 96,5 Prozent der Kinder nicht medienabhängig seien. Er wolle die Kinder da abholen wo sie sind und mache selber Therapien mit Kindern per Whatsapp. Es werde an der Uni in Hamburg gerade eine App namens “Mysoul”, wo psychisch kranke Kinder ihre Befindlichheiten eingeben könnten, wenn ein Kind beispielsweise in den “Depressionsthermometer” rein schreibe es wolle nicht mehr leben, dann werde die die Uniklinik in Hamburg Eppendorf, wo er arbeite, informiert.

 

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Michael Schulte-Markwort war bei seiner Lesung anzumerken, dass er sich gut in Situation und Sprache seiner kleinen wie großen Klienten einzufühlen weiß. Er ist tiefenpsychologischer Psychotherapeut und arbeitet auch mit der Technik des Psychodrama, seine Frau ist Psychoanalytikerin

 

Pubertät als Zeit der Entwicklung von Autonomie im Kind

Beim Thema Pubertät erzählt er die Geschichte von Rubi deren Eltern, wie viele Eltern in dieser Phase berichteten ihre Tochter käme nicht mehr zum Essen, würde immer aggressiver und käme erst in der Frühe nach Hause. Rubi hingegen sagt: “Meine Eltern sind Kontrolleties bis zum abwinken, ihr Verhalten ätzt mich an.” Viele Eltern sähen in ihren pubertierenden Schützlingen immer noch das kleine Kind, eröffnete Schulte- Markwort. Dabei sei Loslassen notwendig , damit sich im Kind Autonomie entwickeln könne. Sprüche wie “ihr seit peinlich” seien da um Abstand zu gewinnen. ” Man solle die Kinder solange weggehen lassen, wie der Spaß anhält. Dann verlören die Kinder ihren Grund übermäßig lange weg zu bleiben. Die Eltern sollten sich selbst einmal fragen ob ihre Eltern in der Pubertät alles über sie gewusst hätten. Eltern sollten sich in Vertrauen üben, da Machtkämpfe mit Kindern immer nach hinten losgingen. Man müsse eine gute Beziehung zu ihnen haben, ziehen bringe nichts.  Die Fallbeispiele ließen deutlich durchblicken, dass Schulte-Markwort die Sprache der Kinder sehr gut beherrscht.

Trennung

Als Kindertherapeut sei die Frage nach den drei Wünschen an die Kinder eine zentrale Frage, so Schulte-Markwort. Corinnas erster Wunsch war, dass Mama und Papa wieder zusammenkommen. Weitere Wünsche hätte sie nicht. Im Gespräch meinte Corinnas Mutter: “Ich habe das Gefühl mein Leben geopfert zu haben um jetzt gegen eine Jüngere ausgetauscht zu werden.” Corinnas Vater hingegen äußerte er wäre mit der Neuen “so glücklich wie noch nie.” Als Schulte-Markwort beide an einen Tisch brachte sei die Atmosphäre schneidend und hasserfüllt gewesen, auch für den erfahrenen Therapeuten kaum auszuhalten. Der Frau riet er aus ihrer Liebe nicht einen Rachedämon werden zu lassen, im Interesse Corinnas, denn sonst sähe sie Corinna bald mit ihrem Vater und der Jüngeren in den Urlaub fahren. Beim Sorgerecht müssten die Väter einfach mehr zurückstecken, so seine Überzeugung. Corinna habe ihm eine Friedenstaube geschenkt.

Selbstverletzungen

Lara(13) zeigt Schulte-Markwort bei der ersten Sitzung triumphierend ihre Narben, sie war voher 1 1/2 Jahre in der Kinderpsychiatrie, wo sie aus Verzweiflung der Therapeuten entlassen wurde.Lara trägt eine schwarze verschlissene Hose, ein Oberteil mit einem Totenkopf darauf, sie hat ein Nasenpiercing und strahlt auch ohne etwa zu sagen eine unheimliche Aggression aus. Sie ist unverschämt und unverschämt schlagfertig. An dem Gespräch mit ihr zeigt der Kinderpsychotherapeut wie er arbeitet. Er bleibt erst einmal defensiv. Als er sie nur anschaut meint sie: “Schaun sie mich bloß nicht so salbungsvoll an.” Danach erzählt sie wie scheiße die Therapeuten gewesen wären und auch über ihre Mutter. Schulte-Markwort übersetzt, dass was seiner Meinung nach die Seele Lara´s eigentlich sagen wollte: ” Ich habe ein tiefes Bedürfnis nach Liebe, aber dafür ist meine Mutter die Falsche.” Durch das Zuhören ohne maßzuregeln, erklärt er, hat er nach und nach eine Eintrittskarte in Laras Seele bekommen. Sie maile ihm regelmäßig um vier Uhr nachts stoned vom Kiez, so könne sie Abstand zu der Situation gewinnen um sich da selber rauszuziehen. Solche Vertrauensverhältnisse seien gold wert, auch wenn Lara die mittlerweile 20 sei bestimmt noch fünf Jahre zu ihm kommen müsse. “Man muss sich an die seelische Form der Kinder anschmiegen”, meint er. Zum Abschluss rief er die Eltern dazu auf sich ein Bild von sich selbst zu machen um ihren Kindern  die Zukunft vorleben zu können. Man dürfe sich nich abschrecken lassen von defizitorientierten Kinderbildern,sondern müsse den Kindern in Freiheit, Toleranz und gegenseitiger Neugier begegnen. Die Seelenlandschaften der Kinder seien voller Reichtum, wenn man sich an die eigene Kindheit erinnerne, lerne man ihnen zu begegnen, dann gebe es kein Defizit. Das Buch “Kindersorgen”, sei als”psychiatisches Lehrbuch” für Eltern verfasst so der engagierte Kindertherapeut. Es macht in seiner “Anschmiegsamkeit an Kinder- und Elternseelen und in seinem Anschauungsunterricht für das Dolmetschen zwischen den Parteien Lust gelesen zu werden.

Das Buch Kindersorgen Was unsere Kinder belastet und wie wir ihnen helfen können ist für 20 Euro bei Droemer zu haben

Ab 02.05 erscheint ebenfalls eine Taschenbuchausgabe für 9,99 Euro