Spiegel

Spiegel er hat sich nicht darin erkannt obwohl sein Bild so poorentief, so rein, so klar in jedweiligen ach so vieler, unzähliger Momente war

fand er ein  Traum so fand er Traumbilder die er liebte oder hasste die er wollte oder ablehnte, genoß oder verabscheute.

An den Tagen an denen er viele sehr schöne Bilder fand mochte er sich sehr gut fühlen, an denen da er wenige oder gar überhaupt keine  schönen finden konnte, fühlte er sich schlecht,und wollte nicht mehr sein.

So ging es alle Zeit, bis er einmal träumte er würde  an die Schwelle des Zeittores geführt, wo, wenn man sie einmal durchschritten  hatte, es kein Zurück mehr von dort  gab.

©Björn Berger

Purpurner Engel

Purpurner Engel leuchtend im Licht Du – der du selber wolltest, was du bist Fürchte dich nicht. Sag mir wie liebst du im Sonnenschein?

Fürchte dich nicht Du tust nur Bist nicht allein. Du mit dem Kainszeichen (Demian; v. H.Hesse) auf dem Hirn

Trage es mit Stolz und Ehrfurcht  auf deiner Stirn. Fühle und Spüre das Reich die natürliche Sicht Du, der Purpurne Engel leuchtet im Licht.

©Björn Berger, Frühjahr 1997

Hausbau und Isolation

Kein Halt, Kein Wuchs, Kein Ur

Spiegel-Online

Warum verfängt man sich im Netz der Schuld, wird ungerecht ohn Rechenschaft? Krishna spricht:

“Das ist die Gier das ist die Wut
Erwachsen aus der “Leidenschaft”,
Sie ist ein schlimmer Bösewicht,
Ein Feind der alle Leiden schafft.”

Es begann als die Großen ins Internet zogen und die Gutenberg-Galaxis
Wurde wie von Oben
In den Server-Raum gehoben

Alle waren froh, die nicht Papiertiger waren
Antibürokraten
Und Freunde des bequemen Austauschs von Stoffen und Waren

Dann ging es weiter als nicht Alle in den Wolkenraum wollten
Doch es mangelte an Speicherplatz
Und ist es nicht schön zu teilen
deinen Schatz?

Jetzt suchten dir versuchen die Welt zu lenken nicht mehr nach Geheimdokumenten
Sondern nach Algorihtmen-Elementen

Dann rangen der Expressionismus der Daten und das besondere Individuum
Es siegten Programme die Massen
verbinden der
Mensch schien am Verschwinden

Global Governance:
Die alten Container: die Staaten
Die neuen Spiegel-Manager:
Die EU- Diplomaten

Dann retrospektive Ost-Offensive:
Romantische
Nicknames und Fakeaccounts
der gesprächige Wille sich selbst zu überwinden und in Bürgertagswahlen
es dem verstopften System heimzuzahlen

Und doch: Es begann als Saddam der Staatsfeind war, um sodann den
Laden-Hütern zu zeigen wer der wahre Inhaber des Ladens war

2001:
Nach dem die Angst vor dem
Giftgas uns in die Datenwolken trieb
Der Feind im Osten näher rückte
weil er sich vor dem staatlich
verordneten Sterben drückte

2011:
Nach dem das Wachstum konkurrenzlos alles um sich
gruppierte, wurde es uns zu eng
die stolzen zu kurz gekommnen Krieger
aus nah Ost machten in den EU-Innenstädten peng

Es warn die Zeiten der Nationen
Dafür oder dagegen
Alle Wiesen waren abgegrast
Jetzt musste man den Wachstumssamen
In uns legen

Es begann als die Kleinen
Sich in ihre Welten zurückzogen
Die hatten die Großen
geliefert von Oben

Du bist Deutschland gegen
Du bist grundsätzlich dagegen
Identiätspolitik in Vorurteilsgehegen

Alternative für Deutschland
Sarazine gegen Sarazenen
Wieder alles sagen dürfen
Nur bloß nicht mit den Andern reden

Niemandsland:
Du bist was do likest
Und wer nicht geliked wird
Hat nichts gesagt,
denn Niemand hat sich darauf bezogen ungelogen

2019:
Niemandsherrschaft geht viral:
Ein auf sich selbst Zurückgeworfen-Werden
Beschäftigung mit dem Sterben
Objekt unter Objekten
Einander beschützen-
einander gefährden
Ein neu sich spiegeln hinter den gebrochenen Ego-Siegeln

2020 Menschheitszeit:
Zoom-Boom als Hochzeitskleid
Es war als ob die Gutenberg-Galaxis
Aus den Wolken neu in die Augen
gefallen wäre, es ging nicht mehr um Stolz, es ging nicht mehr um
Ehre

Dunkler Grund:
Wir surften nicht mehr überwiegend auf den Wellen die uns übermächtig abtreiben von diesem viel zu hellen, viel zu dunklen da drunten
Wir fühlten uns wieder sicherer
Und erdsam aktiv als wir zoomten

Wir gingen manchmal auf Demos
Oft warn wir nur gemeinsam unten
Manchmal zu verschieden
Auf der heilsamen Suche nach dem
Stehenden Hellen, nach dem trennscharfen Bunten

Und für Sekunden
Vertrauensvoll verbunden
Brannte Ich, entbranntes Du
Durch ein unsichtbares Band
Auf der Suche nach dem neuen Land
In Freiheit verbunden
An allen Lunten

Begegnung:
Wir kramten in dem neuerlangten Schatz trafen uns auf den Straßen
und sprachen

Beziehung:
Trafen uns im Netz
Und ham uns maßlos überschätz
doch ham wir uns vernetzt

Im Andern kamen wir, wie siehst es du?
Uns selber näher,
wie aus der Zukunft
Auf uns zoo.

Resonanz:
Zuversicht gab uns das Rufen das ins uns erhört auf einmal in der Welt aufhallte

Das nicht das Alte und das Neu-Erwünschte die Wünschelrute waren
Konnte uns der dritte Weg
Der Bewegung in Begegnung gehaltvoll offenbaren

Selbstgerecht und gerechter:
Von Spiegel online bis zum Spiegel- fechter wurde das Wissen im
Tun soviel echter

Wachstum:
Der Same war in uns gesetzt
Und blieb das treibende Pflänzchen
Vom Wünsche-Wesen unverletzt
So war der Wert bei uns
Selbst wenn er nicht reüssierte
Auf den Marktplätzen der Unvernunft

Es endete noch lange nicht als die Neu-Samenbank
Mangels Innovationen
aus Familie, Firmen und Synagogen
Nach oben gezogen wurde
Von Spiegel-Online und Volks-
Pädagogen

Corona:Die Krise hatte uns entzweit
und unsere Reflektiertheit angehoben
Klima: die Katastrophe die die Menschheit eint:? Ho anthropos
zu Altgriechisch: Blick nach oben

Warum verfängt man sich im Netz
Wird ungerecht ohn Rechenschaft?
Krishna spricht:

Birken stehen für Feuer

4″Das ist die Gier, das ist die Wut,
Erwachsen in der “Leidenschaft”
Sie ist der schlimmste Bösewicht,
Ein Feind der alle Leiden schafft”
(Bhagavadgita, 3.Gesang, Vers 37)

Dem ewigen Vater-Mutter

Zum Muttertag ist mir ein Gedicht mit dem Namen Zae-Ringer gekommen. Weil es so schlecht gesetzt war hab ich die Zeilen nun hoffentlich besser zur Geltung gebracht. Die Zähringen waren, ohne es nochmals nach recherchiert zu haben das vorherrschende freiburger Adelsgeschlecht, das später wegen fehlender Nachkommenschaft ausgestorben ist.Das Gedicht ist für meine Mutter, 77, ich Vater hieß Andreas Zäh. Sie war Gärtnerin später mit Blumenladen, Ihre Schwester starb mit um die 30 an einem Gehirntumor, sie hat 3 Kinder mit einem libanesischen Mann, den sie kurz nach dem Tod ihrer Schwester Erika kennenlernte    

Zäh-Ringer

 Ihr wart Opfer des Daemon Ich muss etwas werden

Die Häuser mussten bersten Die Männer mussten sterben  

Das Volk brauchte Raum jetzt war er geschaffen

Ein Volk fleißiger Frauen die Hacken die Waffen

Blumen, Tabak, Erde, Süßigkeiten damit konnte man im Laden den Unterhalt bestreiten  

Die Schwester wollte mehr: In Leidenschaft mit- leiden

So gab sie sich den Kranken hin und musste selbst früh scheiden

  Dann stieg ein fremder Mann ins Land er wollte technisch Brücken brauen

und als sein Blick den deinen fand fands du ihn alle Mal charmant

  Er fühlte sich oft fremd bestimmt

Auch sein Volk brauchte Raum und Geld so machte er sich an die Arbeit flog  um die halbe Welt

  Drei Frauen hielten die Stellung versorgten die Kinder die kamen

einer davon trägt deines gefallenen Vater´s Namen  

Heut ist Muttertag, zwei von 3 Söhnen sind etwas geworden

du schaust dir endlich deine Blumen an und ich hab Angst vorm Butterblumenmorden      (Alienus 09.05.21)  

Am Vatertag ist in Außeinandersetzung mit meinen wundenschlagenden Wunden ein Vatergedicht entstanden. Im Sinne von Beuys der heute 100 wurde zeige ich diese Wunden nun.

Vater

Vater du fehltest mir früher als ich alleine war und schwach Mütter ihr wart in der Mehrzahl heute regnet es rein in mein Dach

Alle mussten so stark sein ihre Kinder ließen sie schwach ich will dir an deinem Tag nicht arg sein du Mann von Welt und Fach

  Ich kann heute weinen und weine mit meiner Freundin mit Denn so mancher Tropfen der durch mein Dach dringt übersetzte sich für sie in einen Magentritt

  Vater du fehlst mir heute, nicht dein Sockel dein Thron

Du schufst ein Haus für die Zukunft und die verlorenen Söhne wollten nicht darin wohn

  Vater du stehst noch und fehltest noch in Sibirien ein Wüstensohn  

Jetzt kämpfen sie ums Mutterhaus und wandern ein und wandern aus und finden keinen Frieden  

Und du bist mild geworden durch Krankheit, Alter, Über-Ich Die Väter-Sprache ist uns Brück und Schild geworden: versöhniglich

  Vater du fehlst mir weil ich allein bin und doch sieht man dich durch mich

Und müsstest du sterben dann würd ich dich leben denn ein Vater unsrer Sprache starb in die Sehnsucht nach mehr Licht   (Dani, Vatertag 13.05.21)  

ANDANTE POPOLO

Scholz Capitano del Popolo?

(BILD, FLORENZ, JENNIFER RÖSCH)

“Mit Ähnlichem sind Ähnliche gepaart…”

(DANTE ALIGHIERI, DIE GÖTTLICHE KOMÖDIE, ERSTER TEIL, DIE HÖLLE, 9.Gesang)

Herbst…

Ruhig Blut im Superwahljahr als Ego-Supertanker bei Ölinflation

Es war doch gut billig zu tanken für die eigenen Feuer

Fegefeuer ist die Industrie von 1.0-4.0 das Ungeheuer?

Respekt für dich!

Geh raus und nimm die die es friert mit nach Haus ins intellektuelle Licht

In der Ulmer Münsterbauhütte hat dein Wahlkampf angefangen für mich und ich wunderte mich

Und dann sagte ich: Respekt für dich!

“Gesegnet sei”, so hört’ ich es erklingen, “Wen Gnade so erleuchtet, daß der Kehle Gelüst’ ihm nicht so sehr die Brust bezwingen,

Denn nach Gerechtem hungert seine Seele(Dante, Fegefeuer,24. Gesang, Schluss)

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Das japanische Gedicht als Form der Veränderung

Repost zur dem olympischen Spielen in Japan

Hana wa kagame Blumen sind Spiegel

An der Schwelle der Moderne: japanische Lyrik im Edwin-Scharff-Museum Neu-Ulm

Von Oktober 2018 an lief die Ausstellung „Wie ein Traum!“:Emil Orlik in Japan.Am ersten Museumstag am 11. November 2018 wurde die Sehnsucht nach japanischer Weltanschauung und Weltgestaltung, welche die Holzschnitte und Bilder Orliks vermitteln, erstmals in Neu-Ulm tätig vergegenwärtigt. Dabei gab es Führungen durch die Ausstellung Orliks, der als reisender Künstler und Kunsthandwerker vor allem von der Exotik japanischer Farbholzschnitte und Alltagsszenen inspiriert war. Am Ende des reichen Tages erklärte der Japanologe Alexander Beck die spannende Nähe von Vergangenheit und Erneuerung die bis heute in Japan mit Händen zu greifen sei. Diese Nähe konnte den Besucher der Lesung japanischer Literatur schon in der Ikebana-Ausstellung im Erdgeschoss lebendig faszinieren. Aber zunächst zur Literatur. Das Ehepaar Ikeda hatte sich die Mühe gemacht ihre Texte mit der Ausstellung von Ausschnitten Emil Orliks und anderer Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Thema Japan zu harmonisieren. In der gut besuchten Lesung im ersten Stock des Edvin Scharff Museums entfaltete sich die ganze Schönheit japanischen Sprachvermögens, entfaltete sich die stumme Sprache der Bäume, Augenblicke und Vergänglichkeiten in Klang und Wort.

Die Übersetzerin Isolde Kiefer-Ikeda und ihr man der Professor für Germanisik an der Universiät Tokio Nobuo Ikeda lesen Gedichte aus der Umbruchszeit im Japan um 1900

Zenkunst: Waka das japanische Gedicht im Strudel der Modernisierung

Streng genommen wird meist nur Shodo, der Pfad des Schreibens, die japanische Form der Kalligraphie, als Zenkunst bezeichnet. Als man aber die Abneigung gegen die Fremdheit des formalen japanischen Ausdrucks in den GedichtformenTanka und Haiku, aufgrund von einer tiefen ästhetischen Berührung überwunden hat, tun sich einem Tore zur Faszination an japanischer verbaler Ausdrucksform auf. Bis in die Entstehung der Lesung wirkt die geradlinige Weisheit hinein, die auch die heftigen Strudel der Modernisierung nicht entkernt zu haben scheinen. Der Ehemann Nobuo Ikeda, Professor für Germanistik in Tokio, hat die Texte ausgewählt. Seine Frau Isolde Kiefer-Ikedo hat sie übersetzt. Er wiederum trägt vor und sie schweigt konzentriert dazu, als ob sie die haltende Kraft der Lesung wäre. Bei der Ikebana-Zeremonie später wird uns diese Wertschätzung der Anwesenheit und Beziehung wiederbegegnen. Der Zen-Buddhismus als die Form, welche mit der weitgehenden Abschottung Japans von der Außenwelt, nach einem nur schwer zu unterwerfenden christlichen Aufstand, mit der Herrschaft der Shogune(Kriegerkaste der Samurai) bewahrt werden soll; verlangt strenge Unterordnung. Die Versformen Haiku 5-7-5 und Tanka 5-7-5-7-7 wurden aber auch in den Jahren der Reform nach der von US-amerikanischen Kriegsschiffen herbeigeführten gewaltsamen Öffnung Japans im Jahre 1853 beibehalten. Wie so mancher Mangafilm heutzutage, der mit tiefer Melancholie und Symbolsprache, die alte Ordnung in die neue fließen lässt entwickeln die Gedichte aus der Welt des fließenden Lebens, eine Atmosphäre der Gegenwärtigkeit, welche durch ewige Symbolsprache die drei Zeiten verbindet, anschaut und somit störende Gefühle verwindet. Ein Beispiel:

Regentag

Ich erinnere mich.

An den blaugrünen abgenutzten Glasschrank,

darin die in Holz geschnitzte Arzneirezeptur, Salpetergeruch …

und dass der Regen an diesem Abend leise fiel,

an die rotblauen Schwalben, die durchnässt nach Hause kamen,

und dass der Regen an diesem Abend leise fiel,

an die Augen der Frau,

die ihren Papierregenschirm zusammenfaltete und nach Sake verlangte …

wie er eine Glasflasche nahm

und stumm abfüllte … der kahlköpfige Angestellte.

Und dass der Regen an diesem Abend leise fiel,

an die Priesterin, die ihr Glöckchen läutete …

und an die phosphorzierende Seele vor dem Haus,

die den Schimmel der Gipswand berührte.

Ich erinnere mich.

Dass der Regen an diesem Abend leise fiel

und an das Gesicht meiner Mutter,

die das Messer aus der Scheide zog und sterben wollte,

daran, wie die rotblauen Schwalben schilpten.

(Kitahara Hakusu 1885-1942

Durch die Blume: Aus der Leerheit taucht eine eigenständige Ausdrucksfülle

Orlik´s Interesse, so Professor Ikeda, der Herausgeber einer Zeitschrift für deutsche Literatur in Japan ist, galt dem exotischen alten Japan. Doch zwischen 1901 und 1902, dem Zeitraum der Reise des böhmischen Künstlers der sich dem Wiener Jugendstil verschrieben hatte, befand sich Japan schon im Modernisierungsstrudel. Die im Weg der Wortes(Shodo) und der Blumensprache(Kado) des Ikebana tragende Beobachtung des Vergänglichen, als Mittel um die Einfachheit des Geistes zu vergegenwärtigen transformierte sich in der Kunst der fließenden Welt von dem im Westen als Vanitas-Topos vergleichbaren Blickwinkel der Seele zu einer Bejahung der Diesseitigen und der Vielfalt der zusammengesetzten Welt. Diese Bewegung hat ihre Ursprünge allerdings schon im 15. Jahrhundert als die im Buddhismus marginalisierten Kaufmännerschichten Japans immer mehr an Einfluss gewannen. In der Literatur und Malerei hieß das Genre welches die Vielfalt der Erscheinungen beispielsweise in der eleganten Welt der Vergnügungen, nicht nur symbolisch wertschätzte Ukio-e(Bilder der vergänglichen fließenden Welt). Schon 1661 umschreibt ein japanischer Schriftsteller diesen bürgerlichen Stil wie folgt:

Für den Augenblick leben, Mond, Sonne, Schnee, Kirschblüten und Ahorn betrachten, den Wein, die Frauen und das Dichten lieben und sich im Strom des Lebens treiben lassen wie ein Kürbis, den die Strömung des Flusses fortträgt(…)Das ist es, was man die fließende, vergängliche Welt nennt.“

(Asai Ryoi, 1612-1691)

In den Jahrzehnten nach der Öffnung Japans, das von den 1630 Jahren bis 1853 ausschließlich mit der niederländischen Ost-Asien-Gesellschaft Handel getrieben hatte, fungierten die Dichter laut Isolde Kiefer-Ikeda als Erneuerer. Trotzdem wurden aber tradierte Formen die Tanka und Haiku beibehalten und mit neuen Inhalten gefüllt. Durch den folgenden Tanka von Masaoka Shiki spürt man die Nähe zwischen Innovation und Tradition in der japanischen Kunst stellvertretend für viele stimmungsvolle Beispiele des vermuteten Entstehungsherdes aller japanischen und japonesquen Ästhetiken weben:

Wie Sand am Meer

gibt es Sterne am Himmel

doch ein einziger lässt seine

hellen Strahlen auf mich allein

fallen

(Masaoka Shiki, 1867-1902)

Der durch die buddhistische Geistesschulung, welche die bedrohte Herrscherklasse der Samurai in den Zeiten der Abschottung allen Schichten verordnete, konnte wohl in Japan eine Ästhetik von bemerkenswerter Tiefe entstehen. Durch die neuen Einflüsse, die geballt ab Ende des 19. Jahrhunderts auf das lernwillige Japan eindrangen, entfaltete sich eine zudem eine bemerkenswerte Kultur der Individualität, und das aus einer Weltanschauen, welches das Konzept des Ich´s als solches verwirft.

Die Lesung zeigt:Wille, Weisheit und Wirklichkeit aus tiefer Anschauung gewonnen, prägen sich in der neuen Generation von Dichtern voll überraschender Abstraktionen und Konkretionen in Gedichte im traditionellen Format. Die alten Formen sind in Japans Dichtung ,zumindest im ausgehenden 19. Jahrhundert, anders wie es die westliche Ansicht: Neuer Wein müsse in neue Schläuche, suggeriert, immer noch die rechte Form.

Gedanken

Die Feigen und meine Träume

schweben auch heute noch

voll in der Luft

(Kitahara Hakushu, 1885-1942)

Sehnsucht und Formprinzipen

Die aus der Ich-Perspektive erzählten Kurzgeschichten von „Träume aus zehn Nächten“ machen den Schluss der Lesung. Hier spiegeln sich alle Stilmerkmale wieder. Die erste Kurzgeschichte vermittelt, dass ein Mädchen sterben wird. Genaue und empathische Beobachtungen „ihre feuchtglühenden starken Pupillen schauen klar mein Bild“ fesseln den Hörer. Die Dichtheit der zweiten Geschichte zieht einen durch die Aufforderung des Mädchens an ihr Gegenüber sie zu begraben in den Bann. Die „Sternscheibe“ als Grabbeigabe und die Perlmuschel mit der das andere Mädchen das Grab im Mondschein gräbt verursachen eine Art hypernatürliche Entrückung. Zum Ende wird der Text der um 1900 geschrieben wurde märchenhaft. Das Mädchen muss 100 Jahre an dem Grab warten. Als in der fünften Geschichte, keine Zahl schien zufällig, im Grab eine Lilienblüte, bis zur Höhe des Herzens des Mädchens entspringt, weiß das Mädchen, dass die 100 Jahre vorbei sind. Vielleicht waren auch die Jahrhunderte der selbst verhängten Abschottung Japans nötig um durch die Verinnerlichung der alten äußeren Kampfkünste und Kulturtechniken innerlich so stark zu werden,dass die Moderne den Wesenskern Japans nicht auszuhöhlen vermochte. An Ikebana, dass einerseits, eine 550 Jahre alte Tradition hat und zugleich seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Ikenobo-Schule im Gespräch mit moderner Kunst sich transformierte, werden wir im nächsten Artikel sehen, wie das spirituelle Element eine Brücke zwischen Tradition und Innovation schlagen kann, wenn es sich nicht über die Gebühr selbst behauptend verhärtet.

Link zum Anschlussartikel:

https://derweiserabe.com/2019/02/23/flexibilitaetstraining-durch-die-blume-kado-ein-japanischer-weg/