Ramadanisches Koranlesebuch Tag 4

Vor ein paar Jahren habe ich den Ramadan auf der Suche nach einem Geschmack des Koran und seiner gelebten Rituale mitgefastet. Unlängst ist mir zu Ohren gekommen, dass der Ramadan wieder begonnen hätte, vorgestern habe ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder ein Gedicht empfangen und auch gerade hier hinterlegt. Ich hatte eine Phase der Reue hinter mir, dachte ich, angesichts der allgemeinen gesellschaftlichen und persönlichen Kakophonien im Kontakt mit den Normalen hält sie aber an. Dieser poetische männliche Zorn passt gerade. Nichts wie raus den empänglichen Geist suchen.

Sure 75, Al-Qiyama(Die Auferstehung) Im Namen Allahs,
des Allerbarmers, des BarmherzigenDSC01186

1
  Nein! Ich schwöre beim Tag der Auferstehung.
 
2
  Nein! Ich schwöre bei der Seele, die sich selbst tadelt.
 
3
  Meint der Mensch (etwa), daß Wir seine Knochen nicht zusammenfügen werden?
 
4
  Ja doch! (Wir) haben die Macht dazu, seine Fingerspitzen zurechtzuformen.
 
5
  Aber nein! Der Mensch will (fortdauernd) vor sich hin lasterhaft sein.
 
6
  Er fragt: „Wann wird bloß der Tag der Auferstehung sein?“
 
7
  Wenn dann der Blick verwirrt ist
 
8
  und der Mond sich verfinstert
 
9
  und Sonne und Mond zusammengebracht werden,
 
10
  wird der Mensch an jenem Tag sagen: „Wohin soll die Flucht sein?“
 
11
  Keineswegs! (Es gibt) keine Zuflucht.
 
12
  Zu deinem Herrn wird an jenem Tag der Weg zum Aufenthaltsort (führen).
 
13
  Dem Menschen wird an jenem Tag kundgetan, was er vorausgeschickt und zurückgestellt hat.
 
14
  Aber nein! Der Mensch wird bezüglich seiner selbst durchblicken,
 
15
  auch wenn er seine Entschuldigungen vorbrächte.
 
16
  Bewege deine Zunge nicht damit, um ihn übereilt weiterzugeben.
 
17
  Uns obliegt es, ihn zusammenzustellen und ihn vorlesen zu lassen.
 
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  Und (erst) wenn Wir ihn vorgelesen haben, dann folge du der Art seines Vortragens.
 
19
  Hierauf obliegt es Uns, ihn klar darzulegen.
 
20
  Keineswegs! Vielmehr liebt ihr das schnell Eintreffende,
 
21
  und laßt das Jenseits (außer acht).
 
22
  (Die einen) Gesichter werden an jenem Tag strahlen,
 
23
  zu ihrem Herrn schauen.
 
24
  Und (die anderen) Gesichter werden an jenem Tag finster sein;
 
25
  die meinen, es würde ihnen das Rückgrat gebrochen.
 
26
  Keineswegs! Wenn sie das Schlüsselbein erreicht
 
27
  und gesagt wird: „Wer ist ein Zauberer (, der ihn retten kann)?“,
 
28
  und wenn er meint, daß es (jetzt) die Trennung sei,
 
29
  und wenn (bei ihm) sich das eine Bein um das andere legt,
 
30
  zu deinem Herrn wird an jenem Tag das Treiben sein.
 
31
  Doch hielt er nicht (die Botschaft) für wahr noch betete er,
 
32
  sondern er erklärte (sie) für Lüge, und er kehrte sich ab.
 
33
  Hierauf ging er zu seinen Angehörigen, stolzierend.
 
34
  – „Wehe dir, ja wehe!
 
35
  Abermals: Wehe dir, ja wehe!“
 
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  Meint der Mensch (etwa), daß er außer acht gelassen wird?
 
37
  Ist er nicht ein Tropfen von Samenflüssigkeit, die ausgespritzt wird,
 
38
  hierauf ein Anhängsel gewesen? Da hat Er erschaffen und zurechtgeformt
 
39
  und dann daraus beide Teile des Paares gemacht, das Männliche und das Weibliche.
 
40
  Hat dieser (Gott) nicht die Macht, die Toten wieder lebendig zu machen?

21.05

Heute ist mein vierter Fastentag, gestern hatte ich nur etwas mit Reizbarkeit und Benommenheit, sowie mit dem Drang daraufhin Wasser zu trinken zu tun. Ich brauche gerade ziemlich viel Schlaf, so hatte ich heute meinen Wecker auf 6 Uhr gestellt, bin aber erst um halb 9 rausgekommen. Heute lese ich die Sura Nummer 75 genannt Al-Qiyama, von der ich von Imam Israfil Polat weiß, dass sie von der Auferstehung handelt. Sie wurde Mohammed am 40. Ajat zu Mekka offenbart. Die Sure beginnt nach der gewöhnlichen Anrufung Allahs, des Allerbarmers und Barmherzigen mit einer Verneinung und einem darauf folgenden Schwur auf die Auferstehung und die reumütigen Seelen. Es spricht nun, wie oft im Koran, die göttliche Instanz in der Pluralform: „Meint der Mensch etwa das wir seine Gebeine nicht sammeln werden“. Weiter heißt es die Zeit der Auferstehung werde durch die Zeichen geblendeter Augen, der Verfinsterung des Mondes und der Vereinigung von Mond und Sonne gekennzeichnet. Der Mensch werde dann fragen wohin er fliehen könne, doch Gott werde die einzige Zuflucht sein. Vielleicht kann man das damit vergleichen, was auf dem christlich-meditativen Weg der Aufwachens mit „Die dunkle Nacht der Seele“ bezeichnet wird. Einer Phase der Heimsuchung durch die aus der Sicht des Heilen und Vollkommenen, schmerzlichen und schandhaften Taten in Sünde, in monothestischer Sprache ohne Gott.Gott wirft den Menschen nun vor, dass sie das Weltliche lieben und das Jenseits vernachlässigten. Es werde an diesem Tage sowohl strahlende Gesichter geben, welche Gott schauen als auch gramvolle Gesichter in der Vorahnung eines schrecklichen Unglücks. Dann folgen ein paar mir noch unverständliche Sätze: „Ja! Wenn die Seele eines Sterbenden bis zum Schlüsselbein emporsteigt…“Wer nicht im Diesseits spendete und betete sondern sich in stolzem Gang abwendete und zu den Seinen ging. Dem droht Gott mit einem vierfachen “Wehe dir”! Spenden(Sakah) und Gebete sind zwei der fünf Säulen des Islam. Nach den ersten Surenlesungen zeichnet sich schon ab, das der Islam, also die Gottergebenheit ein strenger Monotheismus ist, in dem jede Verehrung einer anderen Instanz außerhalb der islamischen Rechtleitung verdammt wird. Ich bin gespannt wie der Islam es mit den anderen Buchbesitzern(Christen und Juden hält). Das steht laut dem Imam in der Sure Nummer 2, der Sura Al Baqara(Die Kuh) die in 286 Versen unter anderem grundlegende Beziehungen zu anderen Religionen klärt. Die erste Sure, Sura Al-Fatiha drückt bezeichnenderweise den Monotheismus und den Zorn gegenüber den Irregeleiteten aus, der sich dann laut bisheriger Lese durch den ganzen Koran zu ziehen scheint.

Author: farounfirewater

"Ich bin nur ein kleiner Wicht, der der Welt das Recht abspricht, dass sie mir das Rückgrat bricht "(Auszug D.B 97)

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